EU-Energielabel bewertet jetzt Heizungen

Beitrag vom 7 Sep 2015

EU-Energielabel bewertet jetzt Heizungen

36 Prozent aller deutschen Heizungsanlagen sind älter als 20 Jahre und damit überreif für einen Austausch. Egal, ob der Kessel streikt oder Energiespargründe der Auslöser sind: Beim Neukauf sind Anlagen mit geringem Energieverbrauch die Favoriten. Besonders energieeffiziente Modelle können Hausbesitzer künftig auch mit Hilfe des EU-Energiesparlabels finden. Die unabhängige Energieagentur Landkreis Tuttlingen erläutert, was sie bei der Suche beachten sollten.

Das bislang schon von Kühlschränken oder Fernsehern bekannte Etikett zeichnet ab 26. September auch Heizungsanlagen, Warmwasserboiler und kombinierte Geräte aus. Eine grobe Übersicht gibt die Farbskala von grün (sehr energieeffizient) bis rot (wenig energieeffizient). Nach Buchstaben eingeteilt entspricht G dem roten Bereich. Die höchste Effizienzklasse variiert je nach Produktgruppe zwischen A und A+++. Während bei reinen Warmwasserbereitern die Skala von G (wenig effizient) bis A (sehr effizient) reicht, können Heizungsanlagen auch die Klasse A++ erreichen. Die energieeffizientesten Verbundanlagen erhalten die Auszeichnung A+++.

„Ziel der künftigen Klassifizierung ist, wenig effiziente Heizungsmodelle wie Niedertemperaturkessel vom Markt zu verdrängen und so die immer noch viel zu hohe CO2-Produktion zu senken“, macht Joachim Bühner, Leiter / Leiterin der Energieagentur Landkreis Tuttlingen, deutlich. Denn 40 Prozent des Endenergieverbrauchs oder ein Drittel der CO2-Emissionen in Deutschland gehen aufs Konto der Wärmeerzeugung. Deutsche Heizungsanlagen sind laut einer Studie des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. im Schnitt 17,6 Jahre alt. Ein Drittel zählt mit mehr als 20 Lebensjahren zu den technischen Oldtimern.

Das Energieeffizienzlabel erfasst alle neuen Wärmepumpen, mit Gas oder Öl betriebene Brennwertkessel, Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) und Warmwassergeräte. Nicht bewertet werden vorläufig Feststoff-Heizsysteme wie Pelletheizungen und solarbetriebene Heizungsanlagen. „Die Klassen A+ und A++ sind ausschließlich Wärmepumpen und KWK-Anlagen vorbehalten“, so Bühner, „auch modernste Gas- oder Ölbrennwertkessel können maximal die Stufe A erreichen“. Neben der Skala der Effizienzklassen enthält das Etikett eine Reihe weiterer Informationen für den Endkunden. Vermerkt sind Name, Modellkennung und Funktion des Produkts, der Geräuschpegel, die Wärmenennleistung sowie bei Verbundanlagen die etwaigen Zusatzoptionen.

Die Sache ist also nicht ganz so einfach, wie sich zunächst vermuten lässt. Hinzu kommt, dass man sich innerhalb einer Anlagenart zwar durchaus an den laut EU-Label besten Werten orientieren kann. Ein Vergleich verschiedener Heizsysteme anhand des Energielabels ist laut Joachim Bühner jedoch mit Vorsicht zu genießen: „Die höchste Energieeffizienzklasse bedeutet nicht automatisch, dass die Anlage oder das Gerät für den vorliegenden Einsatzfall am besten geeignet ist“, so der Agenturleiter / die Agenturleiterin. Auch über die Betriebskosten sage die Einstufung nichts aus. Vor einem Heizungstausch sei daher eine fundierte, neutrale Fachberatung unbedingt empfehlenswert.

Wichtig ist, dass alle genannten Heizsysteme ab dem 26. September mit dem Energieeffizienzlabel ausgezeichnet sein müssen. Für die Effizienz gelten dann Mindestanforderungen. So müssen fossile Heizkessel und KWK-Anlagen mit einer Leistung bis 70 Kilowatt eine Mindesteffizienz von 86 Prozent besitzen. Für Elektro-Heizkessel liegt der Wert bei 30 Prozent.

Bei der unabhängigen Energieagentur Landkreis Tuttlingen erhalten Privatleute, Kommunen, Vereine und Unternehmen detaillierte Auskunft zu allen Themen rund um die energetische Gebäudesanierung. Die Erstberatung ist kostenlos.

Beratungstermine sollten vorab vereinbart werden. Das Büro der Energieagentur Landkreis Tuttlingen ist telefonisch unter 07461/9101350 oder per E- Mail unter info@ea-tut.de erreichbar.

 

Studie des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) zum Heizungsmarkt

Umweltbundesamt: Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Energieverbrauchskennzeichnung der EU

Bundesverband Wärmepumpe e. V.: Das Wichtigste zur Energiekennzeichnung