Unabhängig und klimaschonend heizen mit Nahwärme

Gepostet am 12 Mai 2017

Unabhängig und klimaschonend heizen mit Nahwärme

 

Bei der Diskussion um klimaschonendes Heizen dreht es sich meist um die Anlage im eigenen Keller. Eine besonders günstige, klimafreundliche Variante sind jedoch auch Wärmenetze. Sie verteilen Wärme aus Anlagen, die beispielsweise mit Biomasse, Abwärme aus Gewerbe und Industrie, Solarthermie oder Erdwärme betrieben werden.

Auch Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK) gehören maßgeblich dazu. Sie werden heute noch mit Erdgas betrieben und nutzen den Brennstoff bestmöglich aus. In vielen Gebieten besteht schon jetzt die Möglichkeit, sich an ein solches Wärmenetz anzuschließen. Vorteile für die Kunden: Eine sichere, zuverlässige Wärmeversorgung oft mit heimischen Energieträgern, mehr Platz im Keller, die Heizungswartung entfällt. In der Heizzentrale kann der jeweils günstigste Brennstoff eingesetzt werden. Der Vorteil fürs Klima: mehr Effizienz bei der Wärmeerzeugung und die einfachere Nutzung erneuerbarer Energien.

Für das Programm „Energieeffiziente Wärmenetze“ erhöhte die baden-württembergische Landesregierung kürzlich die Fördersumme. Kommunen und Investoren, die ein Wärmenetz planen und bauen wollen, können bis zu 400.000 Euro Förderung aus dem Topf beantragen. „Je mehr Bürgerinnen und Bürger sich für den Anschluss an ein lokales Wärmenetz interessieren, desto schneller wird diese günstige und klimaschonende Heiz-Variante fürs Quartier oder den Ort ausgebaut“, ist Joachim Bühner, Leiter der Energieagentur Landkreis Tuttlingen sicher. Er empfiehlt, sich vor Ort zu informieren.

Ist es an der Zeit, eine veraltete Heizungsanlage zu ersetzen, lohnt der Blick auf Alternativen. Eine Möglichkeit ist, zu Hause auf erneuerbare Energie umzustellen. Eine andere Variante ist der Anschluss an ein Wärmenetz, auch Nahwärme genannt. Welche Vorteile bieten Wärmenetze?

1: Preiswert und sauber

In der Heizzentrale eines Wärmenetzes stehen oft verschiedene Energiequellen zur Verfügung. Das können ein Holzhackschnitzelkessel, ein Blockheizkraftwerk oder auch eine Solarwärmeanlage sein. Dem Betreiber ist es damit möglich, den jeweils günstigsten Energieträger zu nutzen. Jeder dieser Wärmeerzeuger kann in einer großen Heizzentrale effizienter und kostengünstiger eingesetzt werden als in einzelnen Gebäuden. Außerdem lassen sich zentral Erweiterungen sehr einfach durch Kombination verschiedener Wärmeerzeuger realisieren. Das gleiche gilt für die Speicherung der Wärme. Auch die Nutzung von Abwärme aus der Industrie funktioniert nur in großem Maßstab. Diese Methoden erzeugen die Wärme kostengünstig, effizient und sauber. Achten sollte man darauf, dass der Netzbetreiber und Wärmelieferant, an den man sich bindet, seine Kosten transparent macht. Mitglieder von Genossenschaften werden Miteigentümer Ihres Wärmenetzes.

2: Wenig Aufwand, wenig Platzbedarf

Ist der alte Heizkessel einmal raus, wird es im Keller leerer. Denn die Wärmeübergabestation eines Wärmenetzes braucht sehr wenig Raum. Und wer das Warmwasser über einen Durchlauferhitzer erwärmt, gewinnt zusätzlich Platz. Wärmekunden haben künftig weniger Arbeit: Das Kümmern um die Heizungsanlage, das Beschaffen des Brennstoffes oder Schornsteinfegertermine entfallen. All diese Aufgaben übernimmt der Wärmelieferant und Netzbetreiber.

3: Kundenwerbung bringt echte Vorteile

Je mehr Haushalte und Gebäude an ein Wärmenetz angeschlossen sind, desto effizienter kann es arbeiten. Denn jedes Wärmenetz hat Verluste. Diese hängen wesentlich ab von der Qualität der Dämmung. Außerdem spielt die Bebauung des Gebiets eine wichtige Rolle: In verdichtet bebauten, urbanen Gebieten sind die Verluste anteilig viel niedriger als in dörflichen Siedlungen. In der Regel bleiben sie unter 20 Prozent der eingespeisten Wärme, häufig noch deutlich darunter. „Je mehr Kunden sich an ein Wärmenetz anschließen, desto günstiger wird es also“, fast Vorname Nachname zusammen.

Nachfragen lohnt sich

Für ein Wärmenetz kommen viele Konzepte in Frage, da Nahwärmesysteme sehr flexibel sind. Welche Variante die Basis des Wärmenetzes bildet, ist relativ egal. Entscheidend für dessen Entstehen und Ausbau ist das Überwinden einer Anfangshürde: Eine Mindestzahl von Gebäuden muss an das Netz angeschlossen sein, damit es wirtschaftlich betrieben werden kann. Das gilt für Neubaugebiete, vor allem aber für bestehende Quartiere. „Je mehr Menschen sich für ein Wärmenetz entscheiden oder bei Ihrer Kommune oder Ihrem Energieversorger danach fragen, desto schneller steigt also die Chance, diese zukunftsträchtige Art der Wärmeversorgung voranzubringen“, sagt Bühner.

„Zu guter Letzt taucht bei Interessierten immer wieder einmal die Frage auf, ob sie nicht Angst haben müssen, ihre eigene Wärmeversorgung aus der Hand zu geben oder nicht mehr ‚autark‘ zu sein“, sagt Joachim Bühner. „Die Antwort ist: nein. Wir stellen uns diese Frage doch auch nicht bei der Wasserversorgung oder der Abwasserentsorgung. Eher sind wir froh, an ein großes leistungsfähiges Kanalnetz angeschlossen zu sein. Niemand trauert dem Brunnen im Garten nach.“ Genau so können (künftige) Nahwärme-Kunden es betrachten – sofern die Preisgestaltung transparent ist.

Informationen zu allen umweltfreundlichen Heizsystemen, zu energetischem Sanieren und allen relevanten Förderprogrammen für Haushalte, Kommunen und Unternehmen gibt es bei der Energieagentur Landkreis Tuttlingen. Die Erstberatung ist kostenlos. Die Energieagentur Landkreis Tuttlingen ist telefonisch unter 07461/9101350 oder per E- Mail unter info@ea-tut.de erreichbar.

Weiterführende Links

KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg u. a.:
Positionspapier Bedeutung von Wärmenetzen für die Energiewende

Energiekompetenz BW / Kompetenzzentrum Wärmenetze:

Initialberatung Wärmenetze

Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg

Förderprogramm Energieeffiziente Wärmenetze

Forum Solare Wärmenetze