Vieles spricht für Wärmedämmung

Gepostet am 13 Mrz 2017

Vieles spricht für Wärmedämmung

Geht es um Wärmedämmung, haben viele automatisch Polystyrol vor Augen. Das ist deutlich zu kurz gedacht, denn: „Unter den zahlreichen alternativen Dämmstoffen gibt es auch viele natürliche“, sagt Joachim Bühner, Leiter / Leiterin der unabhängigen Energieagentur Landkreis Tuttlingen. Und deren Qualität ist sehr gut. Auch die kursierenden Behauptungen gegen Gebäudedämmung allgemein oder Styropor weiß Bühner zu entkräften. Alles spricht also dafür, in den nächsten Winter mit einem warm verpackten Haus zu starten.

Meist sind die Kosten der Grund, warum viele Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer sich davor scheuen, ihre Gebäudehülle auf den neuesten energetischen Stand zu bringen. „Wer jedoch die Fassade, das Dach und die Kellerdecke dämmen lässt und dazu noch die Fenster ersetzt, kann später bis zu 80 Prozent Heizenergie einsparen“, berichtet Joachim Bühner. Nicht zu unterschätzen sei zudem der Wohlfühlfaktor: „Decken, Wände, Fenster und Fußböden mit warmer Oberflächentemperatur sorgen für ein angenehmeres Klima im Raum“, ergänzt der Fachmann. Und befindet sich das Gebäude dann energetisch auf dem allerneuesten Stand, steigt sein Marktwert beträchtlich.

„Leider kursieren viele irreführende Behauptungen zu diesem Thema“, sagt Joachim Bühner.  Immer wieder ist zu hören oder lesen, dass eine Dämmung unterm Strich kaum Energie einspare, zu teuer sei, die Brandgefahr erhöhe oder Schimmel verursache. All das entspricht nicht der Wahrheit. Schimmel beispielsweise kann entstehen, wenn sich erhöhte Luftfeuchtigkeit an einer kalten Stelle der Außenhülle niederschlägt. Sind alle Bauteile eingepackt, sinkt das Risiko. In jedem Fall vertreibt regelmäßiges, intensives Lüften Schimmelpilze. Und weil Wände per se nicht luftdurchlässig sind, kann eine Dämmschicht sie auch nicht „verschweißen“. Ob sich eine energetische Sanierung finanziell lohnt, lässt sich mittels einer Wirtschaftlichkeitsberechnung ermitteln. Der Energieverbrauch sinkt in jedem Fall.

Welcher Dämmstoff aber ist der richtige? Dass es neben dem viel diskutierten Polystyrol zahlreiche – teils natürliche – Alternativen gibt, wissen wenige. „Naturdämmstoffe sind in ihrer Dämmwirkung ähnlich effizient“, sagt Bühner. Zudem wachsen sie nach und lassen sich unproblematisch bearbeiten und entsorgen. Und das Beste: Schimmel und Bakterien können ihnen nichts anhaben, dafür sorgen natürlich vorhandene „Zusatzstoffe“. Beispiele für natürliche Dämmstoffe sind Hanf, Zellulose, Seegras, Holz- oder Schafwolle. Weitere Dämmalternativen zu Schaumdämmstoffen wie Polystyrol oder auch Polyurethan sind Mineralwolle, Mineralschaum, Schaumglas, Blähton oder Perlite. Welches Material für welchen Zweck und welchen Gebäudeteil in Frage kommt, entscheiden Hausbesitzerin oder Haubesitzer am besten gemeinsam mit einem kompetenten Energieberater individuell.

Den häufig verbauten Dämmstoff Polystyrol kommunizieren Medien häufig negativ. Trotz diskussionswürdiger Bedenken zeichnen sich jedoch beispielsweise bei der Entsorgung gangbare Wege ab, die bereist gesetzlich geregelt sind. Neue Produkte müssen eine Alternative zu dem als umweltschädlich eingestuften Flammschutzmittel HBCD (Hexabromcyclododecan) enthalten.

Wärmedämmung bietet übrigens auch im Sommer Vorteile: Ist das Haus verpackt, hält die Hülle die Hitze besser ab. Und der nächste Sommer steht bald vor der Tür. „Wer sich jetzt für eine energetische Sanierung entscheidet, profitiert schnell davon“, erklärt der Agenturleiter. „Wichtig dabei ist, das Haus als Ganzes zu betrachten“, führt er / sie weiter aus. Denn Gebäude aus den 60ern, 70ern oder 80ern haben viele Schwachstellen. Nur eine ganzheitliche Betrachtung durch zertifizierte Fachleute, die neben der Gebäudehülle auch die Heizungsanlage, die Stromversorgung, ein Lüftungskonzept und die individuellen Rahmenbedingungen der Nutzer miteinbezieht, erfasst alle relevanten „Baustellen“. Dieser Intensiv-Check einschließlich eines vor-Ort-Termins lässt sich in Form eines Sanierungsfahrplanes professionell dokumentieren.

Wer in Baden-Württemberg seine Heizungsanlage erneuert, muss dabei das EWärmeG (Erneuerbare-Wärme-Gesetz) beachten. Es besagt, dass bei Inbetriebnahme einer neuen Heizung 15 Prozent der eingesetzten Energie aus erneuerbaren Quellen stammen müssen. Etliche Erfüllungsoptionen stehen ersatzweise zur Wahl, darunter die Gebäudedämmung oder auch ein Sanierungsfahrplan.

Lassen Sie sich kompetent und neutral von Ihrer Energieagentur Landkreis Tuttlingen beraten. Deren Fachleute informieren Sie umfassend über alle Schritte einer energetischen Sanierung und kennen die richtigen Fördertöpfe. Die Erstberatung ist kostenlos. Die  Energieagentur Landkreis Tuttlingen ist telefonisch unter 07461/9101350 oder per E- Mail unter info@ea-tut.de erreichbar.

 Weiterführende Links

Positionspapier „Über den Sinn von Wärmedämmung“, Argumente zur Überwindung von Missverständnissen von Dr. Volker Kienzlen u. a.:

Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.:

Zukunft Altbau:

Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg

 

Flammschutzmittel in Dämmstoffen aus Polystyrol

Bis vor kurzem setzten Hersteller von Polystyrol-Dämmplatten das Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan (HBCD) ein. Dessen Verwendung ist seit Anfang 2016 verboten, da es als Gefahrenstoff gilt, der in der Umwelt schwer abbaubar (= persistent) ist. Die inzwischen benutzten Ersatzstoffe erhalten ebenfalls das Halogen Brom. Nach bisherigen Erkenntnissen haben sie nicht die umweltgefährdenden Eigenschaften von HBCD. Das Umweltbundesamt empfiehlt aktuell dennoch, halogenfreie Flammschutzmittel zu entwickeln.

Dämmstoffe aus Polystyrol, die HBCD enthalten, müssen bei Abbruch oder Sanierung so gesammelt werden, dass Sie danach gezielt verbrannt werden können. Die Verordnung über persistente organische Schadstoffe (POP) gibt vor, dass ein solcher Schadstoff zerstört werden muss. Die thermische Behandlung gewährleistet dies. (siehe auch: Entsorgung von HBCD-haltigen Abfällen Umweltministerium Baden-Württemberg)

 

Ammenmärchen „Atmende Wand“

Dass Wände nicht mehr atmen, wenn sie gedämmt sind, ist ein Ammenmärchen aus grauer Vorzeit. Es beruht auf einem Irrtum: Der Chemiker und Hygieniker Max von Pettenkofer (1818-1901) stellte bei Luftmessungen in einem Raum fest, dass sich nach dem Abdichten sämtlicher Fugen die Luftwechselrate weniger als erwartet verminderte. Er erklärte sich dies durch einen deutlichen Luftaustausch durch die Ziegelwände hindurch. Pettenkofer hatte jedoch sehr wahrscheinlich vergessen, den Kamin des im Raum befindlichen Ofens abzudichten. Wie bereits damals ist es auch heute unerlässlich, mehrmals täglich mit Durchzug zu lüften, um Schimmel und schlechter Luft vorzubeugen. Die Wände selbst atmen nicht und müssen dies auch nicht tun.
Siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Atmende_Wand