Dämmung verbessert Klimabilanz von Häusern

Gepostet am 20 Apr 2020

Dämmung verbessert Klimabilanz von Häusern

Wie verbessert sich die eigene Klimabilanz mit einer Dämmung? Vor dieser Frage stehenviele Eigentümerinnen und Eigentümer von älteren Wohnhäusern. Ergebnisse einer neuenStudie zeigen nun: Alle Dämmstoffe für Fassade, Kellerdecke und Dach vermeiden über dieLebensdauer betrachtet erheblich mehr Energie und Treibhausgase, als ihre Herstellungerfordert. Darauf weist das vom Umweltministerium Baden‐Württemberg geförderte Informationsprogramm Zukunft Altbau hin.

„Eine schlecht gedämmte Gebäudehüllegehört zu den größten ökologischen Versäumnissen, die Hauseigentümern unterlaufenkönnen“, sagt Frank Hettler von Zukunft Altbau. Auch ambitioniertere Dämmstandards alsder Gesetzgeber fordert, lohnen sich für das Klima, zeigt die Studie. Die Untersuchungstammt vom Institut für Energie‐ und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) sowie demVerein Natureplus und ist im März 2020 erschienen. Bewertet haben die Forscher auch,wie gut die jeweilige Ökobilanz der verschiedenen Dämmstoffe ist.

Dass auch bei den oft kritisierten konventionellen Dämmstoffen die Ökobilanz sehr gut ist, zeigen die neuen Zahlen eindeutig: Im Schnitt vergeht nur gut ein Jahr, bis sich die Dämmung eines sanierten Altbaus energetisch amortisiert hat, ermittelten die Forscherinnen und Forscher anhand eines Beispielhauses im KfW‐Effizienzhaus‐Standard 55.
Danach ist die Dämmung meist noch 40 Jahre oder mehr intakt und spart weiter Heizenergie ein.

Gegenüber einem Neubau mit energetischem Mindeststandard braucht es – je nach Dämmstoff und Heizungstechnologie – fünf bis zehn Jahre, bis sich die dickere Dämmung des KfW‐55‐Hauses energetisch rechnet. „Mehr dämmen als der Gesetzgeber in der Energieeinsparverordnung EnEV verlangt, ist daher definitiv gut für Umwelt und Klima“, so
Florian Knappe vom ifeu.

Selbst der noch bessere KfW‐40‐Standard bringt Vorteile mit sich: Hier rechnet sich die Dämmung im Vergleich zum nicht gedämmten Altbau nach bis zu drei Jahren und im Vergleich zum Neubaustandard nach immerhin sieben bis 18 Jahren. Aus ökologischer Sicht sind umfangreiche Maßnahmen zur Gebäudedämmung im Rahmen der gängigen baulichen
Praxis daher immer sinnvoll.

Energieaufwand weiter senken und mehr Recycling Die Ökobilanz betrachtet Umweltwirkungen, Rohstoffeinsätze und Emissionen für den
gesamten Lebensweg verschiedener Dämmstoffe. Damit sie noch besser wird, arbeiten Forschung und Industrie an einem geringeren Energieeinsatz bei der Produktion sowie verbesserten Rückbau‐, Verwertungs‐ und Recyclingmethoden. Sie sollen den ökologischen
Rucksack sowohl für konventionelle als auch für nachwachsende Dämmstoffe verkleinern.

Aktuell schneiden laut ifeu‐Studie die Holzfaser‐Einblasdämmung sowie Hanf‐ und Jutematten am besten ab, was den Herstellungsaufwand und die Entsorgungslasten angeht. Auf dem zweiten Platz folgen Zellulose‐Einblasdämmstoffe gemeinsam mit Holzfasermatten und Polystyrol‐Platten, die heute ohne das gesundheitsschädliche Brandschutzmittel HBCD
hergestellt werden. Auf dem dritten Rang liegen die meisten übrigen Dämmstoffe in Platten und Mattenform. Dazu gehören unter anderem Glaswolle‐Matten, Steinwolle‐ und Mineralschaumplatten.

Nicht ganz so gut schneiden nass produzierte Holzfaser‐ und
Schaumglasplatten ab – sie benötigen viel Energie bei der Herstellung.
Damit die Ökobilanz der Dämmstoffe noch besser wird, ist neben einer energieeffizienten Produktion ein möglichst stoffliches Recycling erforderlich, so die Studie. Der Einstieg in eine Kreislaufwirtschaft ist aber nicht nur für Polystyrol und Co. sinnvoll. Wollen Dämmmaterialien aus Naturbaustoffen wie Jute oder Hanf ihren Vorsprung behalten, müssen auch bei ihnen Verbesserungen beim Recycling erzielt werden. Aktuell werden diese nämlich noch – wie viele andere Dämmstoffe auch – in Müllverbrennungsanlagen verbrannt.

Die vollständige Studie steht auf der Website des ifeu zum kostenlosen Download bereit. Aktuelle Informationen zur energetischen Sanierung von Wohnhäusern gibt es auch auf www.zukunftaltbau.de oder www.facebook.com/ZukunftAltbau. Zukunft Altbau informiert Wohnungs‐ und Gebäudeeigentümer neutral über den Nutzen einer energetischen
Sanierung und wirbt dabei für eine qualifizierte und ganzheitliche Gebäudeenergieberatung. Das vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden‐Württemberg geförderte Informationsprogramm berät gewerkeneutral, fachübergreifend und kostenfrei.